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Prothesengötter
Geschrieben von Jürgen Olejok   

Sucht man nach der deutschsprachigen "Stimme" für das Genre Cyberpunk, wird man an einem Namen nicht vorbeikommen - Frank Hebben. Der Gewinner des Cyberpunk - Autorenwettbewerbs der Jahre 2005 und 2006 gehört nicht nur zu den festen Größen in der Kurzgeschichten-Szene, sondern ist auch für eines der Interessantesten deutschen SF-Magazine, Nova, als Redakteur tätig.


Obwohl seine Werke teilweise im Internet präsentiert wurden und werden, wagte sich Hebben an ein Projekt, dem im Vorfeld wenig Chancen auf einen Erfolg eingeräumt wurden - ein Band seiner Kurzgeschichten und Erzählungen der letzten Jahre. Seit April liegt es nun vor und die Erstauflage ist komplett verkauft. Ein, in dieser Zeit des Geiz-ist-geil und alles ist umsonst Denken, eher ungewöhnlicher Vorgang innerhalb der deutschsprachigen SF und Cyberpunk-Szene. Es muß schon etwas dran sein, wenn gegen den Trend solch ein Buch seine Käufer findet. Deshalb ist es für einen Rezensenten, der sich für das Genre interessiert, eine gern übernommene Pflichtaufgabe, das Buch einmal näher zu betrachten.

"Cyberpunk definiert sich heutzutage eher am Schreibstil, als an einem Szenario, dass die Grundelemente des ursprünglichen Plots benutzt". Wenn man dieser Argumentation folgt, ist Frank Hebben der ungekrönte König des deutschsprachigen Cyberpunk. Sein Stil besitzt uneingeschränkt alle Werte, die auch die Väter des Genre besaßen - kurzer, prägnanter Ausdruck, intensive, fast greifbare Atmosphäre und ein Höllentempo bei der Erzählweise. Atempausen beim lesen sind eher unerwünscht, weil sich die Geschichten wie eine Fräse in die Erinnerung des Lesers schneiden sollen. Und das machen sie im vorliegenden Sammelband vorzüglich !

Direkt mit seiner ersten Geschichte, Memories, die auch zu den ältesten und eindrucksvollsten Texten aus seiner Feder gehört, zieht der Autor den Leser in seine dystopische, und von einer düsteren Hoffnungslosigkeit befallenen Welt und lässt ihn erst wieder frei, wenn das Omega mit den letzten Worten ausklingt.
Dazwischen präsentiert er Cyberpunk in einer schier unglaublich thematischen Bandbreite, die nur in seltenen Fällen eine leserabhängige Unterhaltungsschmerzgrenze tangiert. Es finden sich kurze und längere Schätze einer Literaturgattung, die vom Fachpublikum schon lange ad acta gelegt wurde.
Frank Hebben schafft es, mit Stilsicherheit und dem Gefühl für einen passenden Plot, eine angenehme Erinnerung zu wecken, die man längst unter dem Dickicht der Vielzahl an Literaturerscheinungen verloren zu haben glaubte. Er lässt noch einmal dieses exklusive Leseerlebnis aufblitzen, dass die Science-Fiction Anfang der Achtziger Jahre aus dem Dornröschenschlaf holte und bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.

Die Texte in ihrer Reihenfolge...

- Memories
- Im Labyrinth der Neonrose
- Gelée Royale
- Der Wühler
- Das Bild im leeren Rahmen
- Marionettentheater
- Off
- Amethyst
- [002:32:45]
- Exodus 1906 AD
- Imperium Germanicum
- Das Fest des Hammers ist der Schlag
- Ω

Prothesengötter gehört als Buch in jede ernstzunehmende Sammlung zum Genre Cyberpunk, aber auch diejenigen, die dem Thema an sich nicht viel abgewinnen können, werden von den stilistischen Fähigkeiten des Autors beeindruckt sein. Sollten sich Hebbens schriftstellerische Ambitionen in eine ähnliche Richtung bewegen, wie bei anderen ehemaligen Größen des Genre, bleibt dieses Buch der Beweis, dass auch in Deutschland der New-Wave-Style in Verbindung mit fiktiven Plots seine ernstzunehmenden Protagonisten hatte.
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Prothesengötter - Frank Hebben
Kurzgeschichten und Erzählungen
Science-Fiction SONDERBAND
Paperback
ISBN 3-938065-35-4

 

Herzlich Willkommen auf der Leseattacke. Hier findet ihr nicht nur Informationen und Rezensionen zur aktuellen und modernen Literatur, sondern durch die Zusammenlegung mit der SF-Buchseite  ausserdem noch Berichte und Kritiken im  Bereich der Science-Fiction.
Einen angenehmen Aufenthalt auf dieser Webpräsenz wünscht euch:

Jürgen Olejok 

Neuigkeiten

Cyberpunk ist  eine besondere Art der Science-Fiction Literatur. Stilistisch sehr nahe am New Wave Style der amerikanischen Literatur angelehnt, entstand dieses Sub-Genre Anfang der Achtziger Jahre zeitgleich mit der beginnenden Computerrevolution im Wohnzimmer.

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