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Symbiose - Uwe Post
Geschrieben von Jürgen Olejok   

Man stelle sich vor, Greg Bear, Charles Stross und Douglas Adams hätten bei einem gemütlichen Glas Schwarzbier beschlossen, einen gemeinsamen Roman zu verfassen. Vermutlich hätte das Ergebnis dieser Zusammenarbeit in etwa so ausgesehen, wie der vorliegende Roman von Uwe Post. Sprechende Vögel, nörgelnde Geckos, abfallverschlinge Kröten und verschrobene Aliens sind seine Beilagen für eine Erzählung, die dem Adjektiv skuril alle Ehre macht. Zusammen mit seiner Fähigkeit, gesellschaftliche Verirrungen auf zukünftige Entwicklungen zu projizieren, versprach sein neuer Roman ein schräger Trip in eine mögliche Zukunft zu werden. Das hinter der Maske aus Sprachwitz und Kuriositäten auch noch eine richtige Story verborgen war, überraschte dann aber doch.

Inhaltsangabe/Klappentext:

Aric Ekloppos, braver Konsument und verliebt in die neu gewählte Kaiserin, entrinnt nur knapp dem Tod, als er bei ihrem Amtsantritt von der Menschenmenge fast zu Tode getrampelt wird. Als er im Krankenhaus aufwacht, ist er bereits ein Medienstar – Kurzprominenter, wie es schön heißt. Und Prominente waren schon immer wirksame Werbepartner, wenn Politiker etwas mehr Aufmerksamkeit benötigen. Sein neu erworbener Ruhm wird zum Grund einer Odyssee, die selbst das Ende dieser Welt überschreitet.

Leop ist Symbioniker an einem Biotool-Institut und prüft die Schöpfungsparameter geplanter Neuentwicklungen. Als seine heimliche Liebe Mooha, die im gleichen Institut beschäftigt ist, urplötzlich verschwindet, ändert er sein beschauliches Leben und beginnt mit der Suche nach ihr. Dabei kommt er einem Projekt auf die Spur, das die Mächtigen dieser Welt lieber bis kurz vor Schluß geheim gehalten hätten.

Aniaa Karim hat die Vyrroc fünf Jahre lang auf deren Planeten studiert und dabei nicht nur das Volk der Alienrasse kennen gelernt, sondern mit Pschist-i, einer Vyrroc-Frau, auch eine Mitbewohnerin in ihrem Haus. Pschist-i ist schwanger und während einer routinemäßigen Untersuchung stellt man fest, dass es Komplikationen gibt. Welcher Art, erfährt Aniaa nicht mehr, denn plötzlich muß die Freundin für weitere Untersuchungen auf ihre Heimatwelt. Als klar wird, dass ihre Freundin nicht mehr auf die Erde zurück darf, beginnt sie, die Gründe dafür zu erforschen und entdeckt einen perfiden Plan der Außerirdischen.

Die Wege von Aric, Leop und Aniaa führen irgendwann zusammen und sie werden mit der Tatsache konfrontiert, dass die Welt, so wie sie sie kennen, nur noch wenige Stunden bis zur ihrer endgültigen Vernichtung hat.

Rezension

Humor und SF, von vielen Genre-Autoren verpönt, verbindet Uwe Post im hiesigen Sprachraum wie kein Zweiter, wobei er die Situationskomik dem Kalauer vorzieht. In Kurzgeschichten bewährt, gibt es aber keine Garantie, dass solch ein Konzept auch auf Romanlänge bestehen kann.
Nach den ersten Seiten von Symbiose ist man ziemlich unsicher, ob es sich hier lediglich um eine Persiflage auf die Science-Fiction handelt. Die Idee, alle bisher mit Mikrochips funktionierende, in mehr oder weniger formschönes Plastik gegossenen Helfer der modernen Zivilisation auf genetisch konstruierte Tiere zu übertragen, ist selbst für SF-Leser mehr als gewöhnungsbedürftig. Spamtauben als Analog zur ungebetener Werbung im E-Postfach oder Geckos, die statt Shampoo die Schuppen von der Kopfhaut fressen, fordern ein gewisses Maß an Vorstellungskraft. Das ganze als Nonsens zu betrachten, wäre aber unangebracht, denn Post kennt als Physiker genau den schmalen Grat zwischen fiktivem Blödsinn und wissenschaftlicher Extrapolation. Das merkt man spätestens, wenn sich die Story gegen Ende in den Bereich spekulativer Wissenschaft einordnet.
Lässt man sich auf das ungewöhnliche Szenario ein, öffnet sich eine Welt, die zunehmend kompakter und verständlicher wirkt. Erst nach einigen Kapiteln wird eine Story-Struktur deutlich und es entwickelt sich eine Geschichte, die sich vom Spannungsbogen her durchaus mit den gängigen Handlungskonstruktionen in der SF messen kann. Dazu nutzt Post anfangs drei nicht miteinander verbundene Handlungsstränge, die erst gegen Ende zusammenfließen.Das er selbst dem Schluß der Geschichte, der zwar etwas klischeehaft, aber durchaus als gelungen durchgeht, die notwendige Aufmerksamkeit widmet, unterscheidet ihn angenehm von der Masse heutiger Autoren.

Abseits des Handlungsstrangs lässt es sich der Autor nicht nehmen, seinem bekannten Hang zur Satire zu frönen. Wie in seinen Kurzgeschichten auch, nimmt er gesellschaftliche Fehlentwicklungen mit spitzer Feder aufs Korn, demaskiert die politische Elite und zeichnet ein eher amüsantes Bild zukünftiger Medienmacht. Auswüchse schon heutiger Abnormitäten der Konsum- und Spaßgesellschaft steigert er in den Bereich der Groteske. Auf eine Castingshow zur Wahl der deutschen Kaiserin muß man erst einmal kommen.
Lediglich die Protagonisten seiner Geschichte wirken manchmal merkwürdig blaß. Ihnen fehlt das gewisse Etwas, das die notwendige Authentizität der Figuren garantiert. Aber dieser kleine Makel mindert den Lesespaß in diesem Gesamtkonzept nur minimal und geht als Schönheitsfehler durch.

Fazit:

Es ist nicht nur ein schnöder SF-Roman mit einem mehr als brauchbaren Handlungsstrang, sondern ein Gesamtkunstwerk aus Sprache, Thematik und bitterböser Satire geworden. Für Puristen der spannenden Fiction sicher nicht die erste Wahl, besitzt der Roman für den unterhaltungssüchtigen Lesejunkie genug Eigenschaften, um das viel zitierte Lesevergnügen zu garantieren. Uwe Post hat in Symbiose die Wundertüte ausgepackt und weit geöffnet. Ein wahres Feuerwerk unverbrauchter Ideen und erzählerisches Können ergeben ein Erlebnis, das analog zum Inhalt der Geschichte, Zeit und Raum vergessen lässt. Mit seiner schrägen Welt und dem ihm eigenen Humor hat er die deutschsprachige SF auf jeden Fall bereichert. Absolut Empfehlenswert !

Als Buchausgabe dieser Rezension diente:

Symbiose – Uwe Post

Erstausgabe des Atlantis Verlag / 2009

196 Seiten

ISBN 978-3-941258-11-2


Um eine Präzisierung für den speziellen Humor des Autors zu liefern, ist seine Kurzgeschichte eDead.com, die 2006 den William Voltz Award gewann, verlinkt.

Vielleicht auch für den einen oder anderen Leser interessant, der mit den Texten von Uwe Post nicht so vertraut ist.

eDead.com als html-Dokument

 

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