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Breakpoint - Richard A. Clarke
Geschrieben von Jürgen Olejok   

Richard A. Clarke weiß, wovon er spricht, wenn er Anschlagsszenarien auf die USA entwirft. Schließlich kennt er sich in dem Metier aus, denn als Sicherheitberater für die Gebiete Cyber-Crime und Terrorabwehr gehörte er für vier amerikanische Präsidenten zum engeren Beraterstab. Nicht, daß es zu seiner Zeit an Bedrohungen seitens des Internet viel zu tun gab, denn erst in letzter Zeit beweist das Netz eindrucksvoll, welches Macht darin schlummert. Das Potential an Terrorzielen innerhalb der USA war aber schon damals vorhanden und deshalb kennt Clarke auch die Schwachstellen, die in den Schaltzentralen des WorldWideWeb liegen.
Aus diesen Gründen war es kaum überraschend, daß er diesen Bereich irgendwann thematisieren würde und mit dem Roman Breakpoint liegt das Ergebnis nun vor - ein Cyber-Thriller, dessen Plot er einige wenige Jahre in die Zukunft verlegt hat. Dabei erspart er sich Ausflüge ins Land der technischen Fiktionen und setzt in seinem Szenario auf aktuelle und bereits genutzte Technik.
Mit seinem Roman-Debüt The Scorpions Gate bewies er bereits, daß er in der Lage ist, das gut beackerte Themengebiet einer fiktiven Bedrohung der USA mit neuen Elementen zu bereichern. Sein unzweifelhaft vorhandenes Basiswissen zur Funktionsweise des Internet sollte auch diesen Roman zu einem echten Reißer machen - wenn es richtig umgesetzt wurde.

Klappentext/Inhaltsbeschreibung
Die USA im Jahre 2012: Verheerende Bombenanschläge treffen die Wirtschaftsmacht an seiner Archillesferse - sie zerstören den Zugang zum Internet. Amerika ist abgeschitten vom Rest der Welt, die US-Armee im Ausland kaum noch zu steuern, die Wirtschaft steht kurz vor dem Kollaps. Eine fieberhafte Suche nach den Schuldigen beginnt. Als dann noch im halben Land der Strom ausfällt, bahnt sich eine politische und ökonomische Katastrophe ungeahnten Ausmaßes an.
Die gezielten Anschläge auf Knotenpunkte des Internet rufen die CIA und das FBI auf den Plan. Während das FBI seine Leute in Kompaniestärke auf den Fall ansetzt, rekrutiert die CIA ein kleines Team rund um den Direktor des Geheimdiest-Analysezentrums IAC, Rusty McIntyre. Zusammen mit seiner Kollegin Susan Connor und dem an das IAC ausgeliehenen NYPD-Detective Jimmy Foley werden sie zu Beginn ihrer Untersuchung ebenfalls Opfer falscher Spekulationen, aber ein anfangs unbedeutes Detail führt sie auf eine Spur, die einen militärischen Konflikt zwischen zwei zu allem entschlossenen Großmächten verhindern kann...

Kritik
Clarke kann seine stilistischen Wurzeln im Bereich Literatur kaum verhehlen. Sie sind nicht etwa schlecht oder gar dröge, aber hier und da dringt seine Affinität zur Dokumentationen im Verlauf der Story sichtbar durch. Was bei anderen Autoren für gepflegte Langeweile sorgt, verwebt Clarke aber geschickt mit seiner Story und kann Dank einem gut entworfenen Spannungsbogen sogar noch davon profitieren. Die Symbiose aus realpolitischer Sichtweise und fiktivem Plot funktioniert tatsächlich.
Das gewählte Tempo ist sehr hoch, der Inhalt besitzt eine gehörige Menge Action. Da kann es schon einmal passieren, daß der Autor die Realität ein wenig verlässt und sein Szenario, das in einer nahen Zukunft angesiedelt ist, in den Bereich der sehr wagen Spekulation wegdriftet. Hier helfen seine gut konzipierten Protagonisten über so manche inhaltliche Klippe, denn sie wirken glaubhaft und bügeln durch ihr authentisches Verhalten die eine oder andere Ungereimtheit aus. Gleichzeitig dienen sie als Erklärungsinstrument, um die Thematik des Internet und deren Funktionsweise dem Leser näher zu bringen. Geschickt gemacht.

Möchte man überhaupt Kritik anmelden, dann konzentriert sie sich auf die Wendung der Story, die ab einem bestimmten Zeitpunkt fast fühlbar ist und den Überraschungsmoment in der Bedeutung des Wortes verzockt. Da wäre wesentlich mehr drin gewesen, wenn man den Erzählstrang anders konstruiert hätte. Ein Manko, das aber eng mit dem sehr konservativen Erzählstil des Autors verknüpft ist und im Gesamtbild auf Grund des spannenden und fesselnden Plots nur unwesentlich den Lesespaß mindert.
Anders als bei seinem Bestseller-Durchbruch The scorpion's Gate macht Clarke nicht den Fehler, seine Akteure sehr schnell in Gut und Böse zu trennen. Die Dramaturgie der Story unterstützt diesmal die Entwicklung der Protagonisten, nicht ausschweifend oder innovativ, aber solide im Rahmen der schriftstellerischen Möglichkeiten.
Selbst das Ende, zwar (mal) wieder mit typisch amerikanischer B-Movie-Qualität ausgetattet, aber wesentlich stimmiger im Ablauf, kann überzeugen und lässt die letzte Seite des Buches zur angenehmen Erinnerung werden.

Fazit
Es ist kein Pageturner geworden, den Richard A. Clarke mit Breakpoint geschrieben hat, aber unzweifelhaft ein spannender Roman, der in der Klasse politisch ambitionierter Thriller auch wegen dem gewählten nahen Zukunftsszenario gut bestehen kann. Seine Art der Erzählung baut auf den klassichen Plot, mit einem nur mäßig überraschenden, aber sorgfältig konstruierten Ende. Insgesamt lebendiger, als sein Vorgänger Scorpion's Gate, beinhaltet Breakpoint eher die Stärken des Autors - das verweben von Realität und Fiktion als interlektuelle Unterhaltung. Sicherlich ist diese Stärke auch eine Grenze, die in der Ausdrucksweise und der Storykonstruktion sichtbar wird, aber insgesamt ist das Ergebnis ein gelungener Roman, der spannend unterhalten kann. Empfehlenswert.

Jürgen Olejok / 2009

Als Basis dieser Rezension diente:

Breakpoint - Richard A. Clarke
erschienen bei Hoffmann & Campe/Hardcover/2007
deutsche Übersetzung von Karin Dufner
316 Seiten
ISBN: 978-3-455-40031-1

 

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