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Scott Reiss, alias Scott Canterbury, alias Ethan Black, alias… ? Man wird den Verdacht nicht los, dass der Journalist und Schriftsteller Bob Reiss für jede neue Serie oder neues Buchprojekt einen neuen Namen benötigt. Eigenartig, denn seine Werke gehören wahrlich nicht zu den Regalleichen der Buchhändler. Die Conrad Voort – Serie (Scott Canterbury) ist auch im europäischem Lese-Raum innerhalb des Genre ein Begriff , und deshalb war die Überraschung groß, als für sein neuestes Buch wieder anderer Name das Cover ziert. Was auch immer der Grund dafür war, er konnte das Auftauchen des Wissenschaftsthrillers an der Spitze deutscher Bestseller-Listen nicht verhindern, denn was Reiss in Black Monday abliefert, muss sich wahrlich nicht hinter ähnlichen Szenarien anderer Autoren anstellen. Im Gegenteil – das gewählte Thema und die erzählerische Klasse des Autors lassen so manch bekannten Konstrukteur von Endzeit-Storys ganz schön alt aussehen. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass die Filmrechte ziemlich flott bei Paramount Pictures landeten.
Inhalt/Klappentext Als ein blinder Mann, der in den unwirtlichen Gebieten des bergigen Pakistan lebt und dort als Heiliger verehrt wird, den Untergang der westlichen Zivilisation voraussagt, glaubt noch niemand, dass seine Prophezeiung Wirklichkeit werden könnte. Auch das exakte Datum, dass der Mann für den Beginn des Untergangs nennt, sorgt kaum für Unruhe in den Gängen des Pentagons und anderer Geheimdienste. Die großen Türme in Washington, London und Berlin sollen in Finsternis versinken. Die Menschen sollen sich auflehnen gegen ihre Herrscher. Ihre Häuser sollen brennen, ihre Lebensmittel verschwinden, ihre Motoren den Dienst versagen und vom Himmel fallen, und zwar vom Ende diese Monats an, lautet seine Botschaft und erst, als die ersten Flugzeuge in Europa, den USA und in Asien fast zeitgleich abstürzen, werden Krisenstäbe gebildet. Alles deutet auf gezielte Terroranschläge hin, aber kurz darauf fallen auch andere Maschinen aus. Schiffs- und Automotore versagen, Fabriken stehen still. Allerdings sind davon nicht ausschließlich die westlichen Länder betroffen; auch im arabischen Raum funktionieren die Maschinen nicht mehr. Der Auslöser für das Versagen ist schnell gefunden – eine neuartige Mikrobe hat das Erdöl befallen und macht es unbrauchbar. Der amerikanische Seuchenexperte Gregory Gerard soll helfen, den Erreger unschädlich zu machen, doch seine Ergebnisse und Lösungsvorschläge passen nicht ins Bild der Militärs und des Pentagon. Gerard wird von den Untersuchungen abgezogen und muss hilflos zusehen, wie die Zivilisation um ihn herum in Chaos versinkt. Marodierende Banden machen die Straßen unsicher und auch seine eigene Familie muss sich gegen Plünderer verteidigen. Als der Notstand ausgerufen wird und immer noch keine Lösung im Kampf gegen die Mikrobe gefunden ist, macht er sich eigenmächtig auf die Suche nach dem Ursprung der Seuche. Dabei ahnt er nicht, dass er sich längst im Fadenkreuz eines skrupellosen Killers befindet, der alles daran setzt, dass niemand das Geheimnis um die Mikrobe lüftet...
Rezension Kurze Einführung und dann mit Volldampf in die Geschichte – ein probates Mittel, um einen echten ´Reisser´ im Bereich Thriller abzuliefern. Atemberaubendes Tempo und Spannung pur sind die Erkennungsmerkmale des Autors und die setzt er auch in seinem neuesten Werk gezielt ein. Garniert mit einem ungewöhnlichen Albtraumszenario, entführt er den Leser in eine Welt, in denen die Auswirkungen eines abrupten und massiven Stop von Öl-Lieferungen auf die moderne amerikanische Gesellschaft mehr als deutlich erkennbar wird. Das er sich bei seinem Szenario größtenteils auf den Bereich der vereinigten Staaten konzentriert, ist geschickt gewählt, denn dort ist die Abhängigkeit vom schwarzen Gold durch die Entfernungen extrem ausgeprägt. Allerdings lassen sich einige Begleiterscheinungen durchaus auch auf andere Länder übertragen, denn eine der wichtigsten Strukturen einer Zivilisation sind die Transportmöglichkeiten, die fast überall auf der Welt in hohem Maße vom Öl abhängig sind. Brechen diese Möglichkeiten, Nahrungsmittel oder Ordnungskräfte von A nach B zu bringen, zusammen, werden die Regeln eines friedlichen Zusammenlebens auf den Prüfstand gestellt. Plünderungen und Mord verdrängen in kürzester Zeit Respekt und die Achtung vor dem Leben. Diesen Plot wählte der Autor, um darin eine Geschichte um ein Komplott gegen die globale Wirtschaft und die Entwicklung eines Jugendlichen vom Gauner zur präzise ausgebildeten Mordmaschine einzubetten. Dabei wirkt der Handlungsablauf wie aus einem Guss und die erzählerischen Qualitäten des Autors reduzieren kleinere Ungereimtheiten zu beachtungslosen Nichtigkeiten, die den sorgfältig aufgebauten Spannungsbogen nicht die kleinste Delle verpassen. Wie es sich für einen echten Thriller gebührt, tragen die gut konstruierten Protagonisten einen hohen Anteil am Unterhaltungspotential bei. Weder die Hauptfigur Greg Gerhard, noch der Mörder mit ständig wechselnden Identitäten und Namen wirken überzeichnet oder unglaubwürdig. Lediglich bei einigen Randakteuren werden altbekannte Klischees verarbeitet, aber eher vorsichtig als aufdringlich. Ein weiterer Punkt, der das feine Gefühl des Autors für das Genre dokumentiert, ist der Fakt, dass Reiss bis kurz vor Schluss den Mann, der alle Fäden in der Hand hat, im Verborgenen hält. Dadurch wird das Ende, welches insgesamt ein wenig zu knapp abgehandelt wird, zu einem erlebnisreichen Finale und komplettiert den positiven Gesamteindruck zu diesem Buch.
Fazit Black Monday gehört zweifellos zu den absoluten Thriller-Highlights in diesem Jahr. Routiniert konstruiert und mit atemberaubender Spannung ausgestattet, besitzt das Buch die spezielle Art von Suchtpotential, welches Schlafmangel und gedankliche Abwesenheit bei den täglichen Dingen des Lebens hervorruft. Dort, wo Andreas Eschbach in seinem Öl-Thriller Ausgebrannt eher zögerlich bis verhalten die Auswirkungen einer weltweiten Ölkrise schildert, geht Reiss den entscheidenden Schritt weiter. Sein Szenario wirkt mit der beschriebenen Brutalität einer Gesellschaft, deren Kontrollmechanismen versagen, wesentlich glaubwürdiger. Auch die Schicksale seiner Protagonisten, obwohl durch die Kürze der Beschreibungen eher angedeutet, als sorgfältig konzipiert, werden intensiver wahrgenommen und erreichen dadurch eine Nähe, der sich der Leser kaum entziehen kann. Logik unterliegt dem Gefühl - besser kann es ein Autor in diesem Genre nicht machen. Bob Reiss beweist mit diesem Werk eindrucksvoll, dass die Möglichkeiten des Katastrophen-Romans noch lange nicht erschöpft sind und hat mit Black Monday dem Genre eine außergewöhnliche Geschichte hinzugefügt, die alles beinhaltet, was sich ein Leser von einem Thriller nur wünschen kann - Spannung, Tempo, Herz und einen ausgezeichneten Plot. Absolut empfehlenswert und für Thriller-Fans Pflichtlektüre!
Als Basis für diese Rezension diente:
Black Monday – R. Scott Reiss Übersetzung von Charlotte Breuer und Norbert Möllemann Erstausgabe von Ullstein TB / 2008 469 Seiten ISBN 978-3-548-26851-4
Informationen zum Autor unter: http://www.bobreiss.com |